Wer in Innsbruck lebt, kennt das: Über Nacht klart der Himmel auf, die Berge wirken zum Greifen nah, das Thermometer klettert mitten im Winter auf frühlingshafte Werte, und durchs Inntal pfeift ein warmer Wind. Der Föhn ist da.
Föhn ist ein warmer, trockener Fallwind auf der Leeseite eines Gebirges, also auf der Seite, die dem Wind abgewandt ist. In Tirol kommt er meist von Süden über den Alpenhauptkamm. Man spricht dann vom Südföhn.
Das Lehrbuchmodell
Strömt feuchte Luft gegen die Alpen, muss sie aufsteigen und kühlt dabei ab, zunächst um etwa 1 °C pro 100 Höhenmeter. Sobald der Wasserdampf kondensiert, entstehen Wolken, und auf der Luvseite regnet oder schneit es. Beim Kondensieren wird Wärme frei, deshalb kühlt die Luft ab da nur noch um etwa 0,5 °C pro 100 Meter ab.
Hinter dem Kamm sinkt die nun trockene Luft wieder ab und erwärmt sich dabei um volle 1 °C pro 100 Meter. Ein Rechenbeispiel: Gesättigte Luft, die mit 10 °C auf 500 Metern startet und über einen 3.000 Meter hohen Kamm muss, kommt auf der anderen Seite in gleicher Höhe mit gut 22 °C an.
Am Kamm bleibt dabei oft eine Wolkenwand hängen, die Föhnmauer. Darüber stehen häufig glatte, linsenförmige Wolken am Himmel, die Föhnfische, die manchmal für Ufos gehalten werden.
Ganz so einfach ist es nicht
Die Meteorologie weiß heute, dass Föhn auch ohne Regen auf der Luvseite entstehen kann. Dann sinkt Luft aus größerer Höhe ins Tal, die schon von vornherein trocken ist und sich beim Absinken stark erwärmt. Das Lehrbuchmodell erklärt aber gut, warum der Föhnwind so warm und trocken ist.
Was der Föhn für Gäste bedeutet
Für Urlauber heißt Föhn meist: beste Fernsicht und milde Temperaturen. Am Berg können die Böen allerdings Sturmstärke erreichen, Seilbahnen stellen dann den Betrieb ein. Bricht der Föhn zusammen, folgt oft ein rascher Wetterumschwung mit Regen oder Schnee.
Und wer an Föhntagen über Kopfweh klagt, ist in guter Gesellschaft. Wissenschaftlich eindeutig belegt ist dieser Zusammenhang allerdings bis heute nicht.